Sauerstoff für Perú

Ort: San Juan de Lurigancho, Lima, Perú
Projektpartner vor Ort: Schwester Yolanda Arribasplata, CSJ und viele mehr
Projektkoordination: Anna Gröber und Lucia Eberl
Finanzielle Unterstützung: Spenden mit dem Betreff “Sauerstoff für Peru”
Projektbeginn: September 2020

Links:

Projektinformationen

Situation in Peru

Die Coronakrise hat Peru hart getroffen und die Infektionen im Land steigen Tag für Tag. Neben überfüllten Kliniken sind der mangelnde Sauerstoff und die damit einhergehenden horrenden Preise dafür auf dem Schwarzmarkt ein großes Problem. Aus dieser Situation heraus hat sich im größten Distrikt der Hauptstadt Lima, San Juan de Lurigancho (SJL), die Wohltätigkeitsorganisation Respira y Vive, übersetzt Atme und Lebe, gegründet. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, die Sauerstoffversorgung in dem Distrikt SJL mit ca. 1 Mio. Einwohnern und der höchsten Coronainfektionsrate des Landes durch die Aufstellung von Sauerstoffgeneratoren zu verbessern.

Wir wollen unterstützen!

Das hoch gesteckte Ziel, bei einem Spendenaufruf die Summe von 1 200 000 Soles (umgerechnet ca. 300 000€) zu sammeln, um drei mittelgroße Sauerstoffgeneratoren zu kaufen, wurde bei Weitem nicht erreicht. Bei dem Spendenaufruf mit dem Namen “Oxigenatón” im August wurden 140 600 Soles (ca. 30 000€) zusammengetragen. Diese beträchtliche Summe reicht jedoch nicht annähernd, um nur einen dieser Generatoren zu kaufen. Somit wird aktuell eine zweite Spendenkampagne geplant (“Segunda Oxigenatón”), um im Oktober zumindest ein Gerät finanzieren zu können. Bei dieser Kampagne möchten wir Respira y Vive SJL unterstützen.

Sauerstoff für alle

Die geplanten Sauerstoffgeneratoren, mit denen täglich jeweils 70 Sauerstoffflaschen gefüllt werden können, sollen in drei Gemeindezentren aufgestellt werden. Durch die Verteilung der Generatoren an verschiedene Orte des Distrikts soll der Sauerstoff möglichst vielen Menschen zugänglich sein. Als Preis für die Befüllung einer Sauerstoffflasche ist nur ein symbolischer geplant, der die laufenden Kosten deckt. Familien, die selbst diesen symbolischen Preis nicht zahlen können, sollen nach dem Prinzip der Nächstenliebe jedoch nicht abgewiesen werden, sondern Sauerstoffspenden bekommen. Respira y Vive SJL ist darüber hinaus mit der Caritas in Lima in Kontakt und möchte über Leih-Sauerstoffflaschen auch die Anfangshürde (Kauf einer Sauerstoffflasche) überwinden, um eine Sauerstofftherapie für alle zugänglich zu machen.

Nachhaltigkeit des Projektes

Solange die Situation der Sauerstoffknappheit in Lima so angespannt ist wie aktuell, werden die Sauerstoffgeneratoren in den Gemeindezentren sicher verwahrt. Der Sauerstoff wird von dort verteilt und es wird sichergestellt, dass sich niemand daran bereichert. Da die Generatoren über Spenden gekauft werden, sollen sie auch über die Coronazeit hinaus für die Bevölkerung von SJL eingesetzt werden. Die Übergabe der Sauerstoffgeneratoren an Gesundheitsstationen im Distrikt wird daher bereits jetzt geplant.

Spenden

Spenden für das Projekt, können an das Vereinskonto mit dem Betreff “Sauerstoff für Peru” überwiesen werden oder ganz einfach über Betterplace:

Sauerstoffgeneratoren kosten sehr viel Geld und nur bei Erreichen der kompletten Summe können sie gekauft werden. Sollten die eingegangen Spenden nicht ausreichen um einen solchen Generator zu finanzieren, oder darüber hinaus gehen, werden die Gelder den bedürftigen Familien in SJL auf anderem Wege zugutekommen. Dies könnte über die Finanzierung von Lebensmittelpaketen oder Sauerstoffflaschen umgesetzt werden.

Die Corona-Pandemie in Peru

Politische Situation vor der Krise

Corona kam zu einer Zeit großer politischer Unruhen. Der Korruptionsskandal des brasilianischen Baukonzerns Odebrecht überschattete das Land tief. Der Konzern hatte zahlreiche Politiker in Lateinamerika und Peru geschmiert, um an überteuerte Deals für den Bau von Straßen, Stadien und Kraftwerken zu kommen. Zahlreiche ranghohe Politiker befinden sich derzeit in Haft, da Ihnen Korruption nachgewiesen werden konnte. Auch der Vorgänger des jetzigen Präsidenten kam einem Amtsenthebungsverfahren zuvor, in dem er zurücktrat und dem damaligen Vizepräsidenten Martin Vizcarra die Regierung überließ. Zwischen diesem und dem Kongress kam es Ende 2019 zu einem Streit um die Vergabe von Richterposten, woraufhin der Präsident den Kongress auflöste und der Kongress den Präsidenten für amtsunfähig erklärte. Eine Interimspräsidentin wurde erklärt, die einen Tag später ihren Dienst quittierte, womit doch Neuwahlen durchgeführt werden mussten. Diese Wahlen, durchgeführt am 26. Januar 2020, blieben ohne klaren Wahlsieg, weshalb Vizcarra nun weiter Präsident blieb, aber keine Mehrheit mehr in seinem Amt hat. Kurz darauf meldete sich Corona auch in Peru zu Wort.

Umgang mit Corona

Anders als andere Präsidenten auf den amerikanischen Kontinenten, wurde Corona vom peruanischen Präsidenten sehr ernst genommen. Nur 6 Tage nach Patient Null und zeitgleich mit der ersten gemeldeten Ansteckung auf peruanischem Boden wurde eine häusliche Isolation angeordnet. Am 16. März, 10 Tage nach Patient Null, wurde in Peru als erstem Land in Lateinamerika der Notstand ausgerufen. Dieser beinhaltete die Schließung der Grenzen, das Aussetzen des öffentlichen Transportes und Social Distancing. Da zumindest letzteres nicht eingehalten wurde, wurde am 18. März eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Den Leuten war es de facto nicht mehr erlaubt, auf die Straße zu gehen, außer um Lebensmittel einzukaufen, zur Apotheke oder zum Arzt zu gehen, oder ähnlich wichtige Dinge zu erledigen.

Ausgangssperre – nicht für jeden umsetzbar

Eine Ausgangssperre in einem Land wie Peru, mit einem auch für Südamerika florierenden informellen Sektor, vor der Pandemie waren um die 73% informell beschäftigt, verlangt einiges von den Leuten ab. Wenn man heute vor die Türe muss, um das Geld für das Essen für Morgen heranzuschaffen, ist es nicht so einfach getan mit einer Ausgangssperre. Der Staat versprach verschiedene Boni, um die Ärmsten der Armen zu unterstützen. Leider mahlten jedoch hier auch die Mühlen der Behörden sehr langsam. Viele Leute bekamen keinen Bonus zugesprochen. Da die Mehrheit der Peruaner über kein Bankkonto verfügt, mussten die, die einen bekamen, zur Nationalbank, um dieses Geld am Schalter entgegenzunehmen. Die Nationalbank Perus sticht einem vor Allem deshalb ins Auge, da alle Behördengänge hier bezahlt werden müssen und es immer immens lange Schlangen gibt. Schlimmer noch zu Coronazeiten: Die Menschen hatten nur diese Anlaufstelle, und mussten nun mit vielen hunderten anderen Personen auf Ihre Ration warten.

Staatlich versprochene Lebensmittelhilfen kamen teilweise nicht bei den Familien an, da auch hier korrupte Hände im Spiel waren, die versuchten, sich an diesen Lebensmitteln zu bereichern.

Anfangs sah es den Berechnungen nach ganz gut aus und es schien, als ob Peru das Virus in den Griff bekommen würde. Die Fälle stiegen nicht so drastisch an, wie prognostiziert. Aber da die Hilfen nicht bei den Menschen ankamen, waren diese gezwungen, sich wieder auf die Straße zu begeben und zu versuchen, irgendwie Geld heranzuschaffen. Drakonische Strafen waren hier zweitrangig. Oft hört man Leute sagen: “Ich ziehe es vor, dass meine Familie an Corona stirbt, als dass ich sie verhungern sehe.”

Märkte als neue Infektionsherde

Zu allem Übel entwickelten sich die Märkte zu großen Infektionsherden. In Lima mit knapp 10 Millionen Einwohnern müssen jeden Tag mehrere tausend Menschen auf den Markt, um Lebensmittel zu kaufen. Jedoch wurde durch die strenge Ausgangssperre auch die Zeit verkürzt, in der die Menschen Besorgungen machen konnten, was zu Chaos und zu ungewollten Menschenansammlungen führte.

Das Gesundheitssystem kollabiert

Peru setzte von Anfang an auf Testen, um dem Virus den Kampf ansagen. Daher sah es lange so aus, als ob die höheren Infektionszahlen im Vergleich du denen sämtlicher Nachbarländer auf die höhere Anzahl an Tests zurückzuführen gewesen wäre, aber der Schein trügte. Das Gesundheitssystem in Peru ist noch sehr weit ausbaufähig. Die Regierung kündigte an, ein komplettes Krankenhaus nur für Covid-19 Patienten zu reservieren. Das panamerikanische Dorf, in Peru wurden 2019 die panamerikanischen Spiele abgehalten, sollte mit bis zu 3000 Betten bestückt werden, um die an Corona erkrankten Patienten versorgen zu können. Auch die 40 Intensivbetten mussten mit Hochdruck erweitert werden. Leider wurden die Betten nicht schnell genug aufgestockt. Bereits Mitte April zeichnete sich ein medizinischer Kollaps ab: Es fehlten Intensivbetten, medizinisches Personal und Ausrüstung.

Am 20. April war es sogar für Covid-19-Patienten, die einen kritischen Status erreicht hatten, schwer, ein Bett in einem Krankenhaus zu bekommen. Mittlerweile geisterten durch die peruanischen Nachrichten Bilder mit sich stapelnden Leichensäcken in Krankenhäusern.

Sauerstoff ist Mangelware

 Bald kristallisierte sich heraus, dass die Beatmung der Patienten ein riesiges Problem sein würde. Sauerstoff wurde knapp. Er wird in nur sehr geringer Menge in Peru selbst hergestellt. Das meiste muss teuer importiert werden. Die Krankenhäuser schlugen Alarm, da die Patienten nicht mehr beatmet werden konnten. Der wenige Sauerstoff, den es in Peru noch gab, wurde fast ausschließlich auf dem Schwarzmarkt angeboten. Auch hier hatten Korruption und Spekulation ihre Hände im Spiel. Präsident Vizcarra versuchte, den Sauerstoff als Staatssache zu erklären, aber leider zu spät. Die Preise stiegen um das Achtfache, von 600 Soles pro Flasche (rund 140 Euro), was fast dem kompletten peruanischen Mindestlohn entspricht, auf 4 800 Soles (rund 1130€). Je nach Zustand des Patienten reichen 10 Kubikmeter für 24 bis 96 Stunden, was die Versorgung zu einer immens teuren Angelegenheit macht. Es gibt schon Hilfsprojekte im Süden Limas, wo man seine Flasche für 15 Soles befüllen lassen kann. Jedoch muss man hier in sehr langen Schlangen warten und die Kapazitäten sind begrenzt: Nur rund 100 Flaschen pro Tag können befüllt werden.