Inmensa Esperanza

Ort: Mendoza, Argentinien
Projektpartnerin vor Ort: Juanita Prossetti
Projektkoordination: Miriam Kroiher und Anna Gröber
Projektförderung: projektbezogene Unterstützung (keine monatliche Zuwendung)
Projektbeginn: März 2004

Projektziele:

  1. Verbesserung der Ernährungssicherheit
  2. Schulische Unterstützung von Kindern
  3. Fortbildungsangebote für Erwachsene zur Verbesserung der Einkommenssituation
  4. Angebot von kulturellen Aktivitäten und Freizeitveranstaltungen

Detaillierte Ziele

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Inmensa Esperanza verfolgt drei Ziele:

1. Verbesserung der Ernährungssicherheit

Täglich wird eine ausgewogene Mahlzeit für bis zu 360 Personen zubereitet. 80% der Personen sind Kinder. Die persönlichen und familiären Verhältnisse der von der Essensausgabe profitierenden Personen sind prekär. Als Gegenleistung für die kostenlose Mahlzeiten verpflichten sich die älteren Besucher der Suppenküche zur Mithilfe im Projekt. Täglich sind vier Personen mit Kochen beschäftigt, zwei weitere Personen helfen beim Abwaschen und Putzen. Es gibt eine Warteliste mit Menschen aus schwierigen finanziellen Verhältnissen, die gerne vom Angebot von Inmensa Esperanza profitieren würden. Doch die Kapazitäten sind ausgelastet und um die Qualität der Mahlzeiten gewährleisten zu können, werden keine neuen Personen mehr aufgenommen.

Die Mahlzeiten werden auf verschiedene Weisen finanziert. Zum einen sind es Essensspenden von Freunden und Bekannten. Zum anderen werden mittels Geldspenden und eigenen Ersparnissen von Juanita Prossetti Nahrungsmittel in der “Banca Alimentaria” gekauft. Diese argentinische Einrichtung bietet kürzlich abgelaufene Lebensmittel zum halben Preis an. Darüber hinaus bekommt Inmensa Esperanza Unterstützung vom Staat und kann damit die Ernährung von 100 Personen finanzieren.

Die Verbesserung der Ernährungssituation trägt unmittelbar zu einem höheren Lebensstandard der betroffenen Personen bei. Um die Ernährungssicherheit nachhaltig zu verbessern sind Maßnahmen notwendig, die außerhalb des Gestaltungsspielraums der betroffenen Personen und von Inmensa Esperanza liegen. Solange diese politischen, sozialen und lokalwirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht gegeben sind, ist das Angebot von Inmensa Esperanza sehr wichtig.

2. Angebot von kulturellen Aktivitäten, Fortbildungs- und Freizeitveranstaltungen und Verbesserung der Einkommenssituation

Seit Beginn war das Ziel von Inmensa Esperanza den Zugang zu kulturellen, Fortbildungs- und Freizeitveranstaltungen zu schaffen oder zu erleichtern. Von den Angeboten zur Freizeitgestaltung profitieren vor allem Kinder. Im wöchentlichen Bastelkurs können sich die Kinder künstlerisch und kreativ ausleben. Verschiedene lokale Gruppen bieten für die Kinder Spielenachmittage an. Die Spiele sind darauf ausgerichtet Solidarität zu erleben, gemeinschaftlich Aufgaben zu lösen, Konkurrenzdenken abzubauen und vor allem gemeinsam Spaß zu haben. Ihnen soll Liebe und Wärme geschenkt werden, die sie aufgrund der schwierigen sozialen und ökonomischen Lage zuhause oft nicht erfahren.

Seit kurzer Zeit gibt es einen Computerkurs, der von Studenten angeboten wird. Darüber hinaus gibt es Theaterkurse, Webereikurse und Märchenstunden. Mehrmals im Jahr gibt es öffentliche Veranstaltungen, wo die einstudierten Theaterstücke präsentiert werden oder vielfältiges Unterhaltungsprogramm für Kinder angeboten wird (z.B. der alljährliche Dia de los Ninos).

Seit Beginn der Existenz von Inmensa Esperanza werden ein bis zweimal wöchentlich Nachhilfekurse für Schüler angeboten.

Im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen wurden bereits einige Friseurinnen unter professioneller Anleitung ausgebildet. Einige von ihnen haben mit dieser Ausbildung einen Arbeitsplatz gefunden. Nachdem Inmensa Esperanza im Jahr 2005 eine Spende von sechs Industrienähmaschinen erhalten hat, wurden auch hier unter professioneller Anleitung Näherinnen ausgebildet. Auch diese Frauen können heute damit ihr Einkommen verbessern.

Neben all den Veranstaltungen wird den Besuchern der Suppenküche Unterstützung bei medizinischen, hygienischen, erzieherischen und ernährungstechnischen Fragen gegeben.

3. Wohnheim für bedürftige Mütter und ihre Kinder

Ende 2008 beschloss Inmensa Esperanza drei Mütter im Alter von 21, 23 und 27 Jahren mit samt ihren sechs Kindern aufzunehmen und ihnen einen kleinen kostenlosen Wohnraum zu bieten. Die Kinder wachsen ohne Vater auf und liefen Gefahr vom Sozialamt von ihren Müttern getrennt und in Kinderheime gesteckt zu werden. Mitarbeiter des Sozialamtes und von Inmensa Esperanza bemühen sich die Mütter in ihrer schwierigen Lebenslage zu unterstützen und Perspektiven zu schaffen. Derzeit leben noch zwei Mütter in Inmensa Esperanza. Sie haben keine Ausbildung und beziehen ihr geringes Einkommen von Gelegenheitsjobs, wie Haushaltshilfen oder Erntehelfer.

Geschichte des Projekts

Eingebettet in das karge Wüstenklima am Fuße der Anden liegen Mendoza und seine Vororte mit insgesamt 872.000 Einwohnern. Was dem flüchtigen Betrachter oftmals verborgen bleibt, ist die ausgeprägte gesellschaftliche Fragmentierung. Diese räumliche Trennung von Gesellschaftsschichten in Bezug auf ihr Einkommen, äußert sich in sehr reichen und sehr armen Wohngegenden. Wohingegen das Zentrum einen sehr sauberen Eindruck macht und geprägt ist von üppigem Grün und Springbrunnen, wird man am Stadtrand Zeuge von armseligen Adobehütten und fehlender Infrastruktur, die sich in Sandpisten und teilweise sogar in fehlenden Strom- und Wasseranschlüssen äußert. Darüber hinaus ist die Kriminalitätsrate in den marginalen Vierteln (“Villas”) am Stadtrand besonders hoch und Überfälle durch Banden verwandeln die Randbezirke in soziale Brennpunkte. Dem Stadtgebiet vorgelagert befinden sich semilegale oder illegale Hüttensiedlungen, die im Zuge von Land-Stadt-Migration entstanden sind.

Inmensa Esperanza liegt im Stadtteil Carodilla und gehört zum Verwaltungsbezirk von Lujan de Cuyo. Das jetzige Haus von Inmensa Esperanza liegt nahe dem Zuhause von Juanita Prossetti, unserer Projektpartnerin und Gründerin der Suppenküche. Die Personen, die das Angebot der Suppenküche wahrnehmen, kommen zum großen Teil aus mehrere Kilometer entfernten armen Stadtvierteln.

Wie kam es zur Projektidee?

Nach der schweren Wirtschaftskrise im Jahr 2001 verarmte in Argentinien innerhalb von zwei Jahren ein Viertel der Bevölkerung (ca. 8 Mio. Argentinier). Die Situation verbesserte sich in den darauf folgenden Jahren merklich, jedoch lebt eine breite Bevölkerungsschicht weiterhin unterhalb der Armutsgrenze. Seit einigen Jahren verursacht die Inflation eine Steigerung der Nahrungsmittelpreise. Damit wächst das Risiko der Mangelernährung.

Doch nicht nur die Ernährungssicherheit ist durch die Armut gefährdet. Auch der Zugang zu Fortbildungsangeboten und kulturellen Aktivitäten ist eingeschränkt. Insbesondere für Kinder aus ärmlichen Verhältnissen ist es wichtig eine gute Ausbildung zu erhalten, ein stabiles soziales Netzwerk aufzubauen, Solidarität zu leben und mittels Freizeitangeboten spielerischen Freiraum von ihrem harten Alltag zu schaffen.

In den ersten Jahren nach der Wirtschaftskrise gehörte es zum Alltag vieler Argentinier, auf der Straße um Essen zu betteln. Nachdem von Seiten der Regierung keine Verbesserung der Lage in Sicht war, ergriffen viele Personen, die trotz der Wirtschaftkrise noch ein normales Leben führen konnten, die Initiative und es entstanden starke Solidaritätsbewegungen. Um das Nahrungsproblem für Kinder, die teilweise unterernährt waren, zu überwinden, wurden beispielsweise zahlreiche Suppenküchen eröffnet.

In einem Stadtteil von Mendoza war es die engagierte Juanita Prossetti, welche die Not der bettelnden Kinder nicht länger ertragen konnte und aktiv werden wollte. Dies war kein einfaches Vorhaben und von vielen Seiten wurde sie nicht ernst genommen. Doch als es dann zum Tod eines der bettelnden Kinder kam, realisierte Juanita ihre Idee. Zunächst eröffnete Juanita Prossetti in ihrem eigenen Haus eine Suppenküche und erfuhr plötzlich eine erstaunliche Unterstützung von Freunden und Nachbarn in Form von Lebensmittelspenden oder Hilfe beim Zubereiten der Mahlzeiten. Innerhalb weniger Tage fanden zahlreiche Kinder aus der Nachbarschaft den Weg zur Suppenküche. Besorgniserregend war auch der Gesundheitszustand der Kinder. Viele litten unter Erscheinungen von Mangelernährung oder unzureichender hygienischer Bedingungen. In der Suppenküche konnten die Kinder ein Bad nehmen und sie bekamen Unterstützung vom städtischen Krankenhaus.

Der Kontakt zu Juanita Prossetti kam durch Fernando Ruiz Peyre (Gründungsmitglied von Desierto Florido e.V.) zustande. Anfang 2004 begann die Förderung durch Desierto Florido e.V. Die Suppenküche bekam den Namen “Inmensa Esperanza” und weitete seine Aktivitäten im Laufe der Zeit auf kulturelle Angebote, Fortbildungs- und Freizeitveranstaltungen aus und wurde darüber hinaus Ende 2008 zum Wohnheim für zwei bedürftige Mütter mit ihren Kindern.