Medizinische und psychosoziale Hilfe in Peru

Ort: San Antonio, Mala, 27 de Diciembre, San José und Chilca, Orte in der Region Chilca-Mala/ Cañete, Perú
Projektpartnerin vor Ort: Maribel Linares Felipe, Hebamme
Projektkoordination: Dr. Carola Flurschütz und Lucia Eberl
Finanzielle Unterstützung: ca. 250 Euro monatlich
Projektbeginn: April 2005

Projektziele:

  1. Verbesserung der medizinischen und psychosozialen Betreuung der Menschen in Armut und extremer Armut
  2. Unterstützung in Bereichen, die von der staatlichen Gesundheitsversorgung vernachlässigt werden und nachhaltige Wirkung haben, v.a. in der Betreuung von jugendlichen Müttern und traumatisierten Heimkindern

Detaillierte Ziele

Ziel unserer Partnerschaft ist es, die medizinische und psychosoziale Betreuung der Menschen in der Region Chilca-Mala zu verbessern, da die Gesundheit die Voraussetzung für eine positive Entwicklung der übrigen Lebensbereiche ist. Medizinische Hilfe soll dabei v.a. auch in Bereichen ermöglicht werden, die von der staatlichen Versorgung vernachlässigt werden. Hierbei werden insbesondere Projekte mit präventivem Charakter unterstützt.

Umsetzung der Ziele des Projekts

Club “Las Semillas de Desierto Florido” für jugendliche Mütter

In der Region sind ca. 25% der Schwangeren unter 18 Jahre alt. Auf die Initiative von Maribel Linares Felipe (Hebamme) und Alfredo Puertas Fernandez (Arzt) hin entstand in San Antonio und Chilca ein Projekt für jugendliche Mütter, das unabhängig vom Gesundheitsministerium arbeitet. Ende 2006 sicherten wir dem neuen Projekt die Finanzierung zu. Die Ziele des Projekts sind, den Gesundheitszustand der jugendlichen Mütter und ihrer Kinder zu verbessern, außerdem das Selbstbewusstsein und die Selbständigkeit der minderjährigen Mütter zu fördern, sowie ihr Schwangerschaftsrisiko zu vermindern.

Seit 2007 haben sich mehrere Gruppen jugendlicher Mütter in San Antonio, Mala, 27 de Diciembre, Chilca und San José regelmäßig mit Maribel Linares Felipe getroffen und verschiedene Handarbeitstechnicken gelernt. Während der Handarbeiten führten die jungen Mütter mit Maribel Linares Felipe Gespräche zu medizinischen und pädagogischen Themen, z.B. Ernährung des Kindes, Verhütung von Infektionskrankheiten, gewaltfreie Erziehung, Familienplanung u.a. Das Erlernen von Handarbeiten soll die jungen Mütter befähigen, selbständiger und finanziell unabhängiger zu werden, ohne dabei ihre Kinder zu vernachlässigen.

Die Mütter konnten inzwischen viele gestrickte und gehäkelte Kleidungsstücke nicht nur für ihre eigenen Kinder herstellen, sondern auch im Dorf und in Lima verkaufen. Produkte aus Alpakawolle können darüber hinaus gegen eine Spende bei uns in Deutschland erworben werden.

Seit 2017 besteht für die kontinuierlich mitarbeitenden Mütter zudem die Möglichkeit, mit Hilfe von kleinen zinsfreien Krediten ein Geschäft zu gründen. So sind z.B. mehrere kleine Restaurants entstanden. Im Jahr 2019 begann Maribel Linares Felipe zusätzlich eine präventive Arbeit mit einer Gruppe jüngerer Schwestern und Töchter jugendlicher Mütter.

In der Anfangsphase einer jeden Gruppe finden sehr regelmäßige Treffen statt. Da einige der jungen Mütter einer Arbeit nachgehen, finden die Treffen mit den inzwischen älteren Müttern in zunehmend größeren Abständen statt. Daneben bestehen regelmäßige Einzelkontakte mit Maribel Linares Felipe, sodass die jungen Frauen eine kontinuierliche Begleitung erhalten und auch bei Schwierigkeiten der Kinder (z.B. beginnende Unterernährung) an die Gesundheitsstation oder befreundetes medizinisches Fachpersonal vermittelt werden. Zudem finden jährlich Aktivitäten wie Ausflüge statt, die allen Gruppen offenstehen.

Maribel Linares Felipe arbeitet seit Beginn des Projektes ehrenamtlich.

Kampagnen, deren Finanzierung durch Desierto Florido e.V. bereits abgeschlossen wurde:

Psychologische Betreuung der Kinder in der “Villa Infantil Federico Ozanam” in Chilca

n dem Kinderheim “Villa Infantil Federico Ozanam” leben Kinder und Jugendliche, die wegen Gewalt, Missbrauch oder extremer Armut nicht mehr von ihren Familien versorgt werden konnten. Eine Psychologin hat von 2004 bis 2008 die Kinder psychologisch betreut und außerdem Fortbildungen für die Mitarbeiter angeboten, damit diese angemessener auf die zum Teil ausgeprägten Verhaltensstörungen und die Sorgen der Kinder eingehen konnten. Von Ende 2008 bis Anfang 2010 haben, mit Unterbrechung, mehrere deutsche Kunsttherapeutinnen im Rahmen eines Praktikums in der Villa Infantil gelebt und die Kinder therapeutisch begleitet. Das Ziel dieser Arbeit war eine positivere Entwicklung und eine bessere Bewältigung der Traumata der Kinder, da dies nicht nur auf ihren Werdegang, sondern auch auf ihr späteres Umfeld positive Auswirkungen hat.

Projekt für Geburtsvorbereitung mit pränataler Stimulation des Kindes und Frühstimulation von Säuglingen und Kleinkindern im Centro de Salud, San Antonio

Die Initiative von Mitarbeitern der Gesundheitsstation entstand dadurch, dass viele der Kinder schwere Entwicklungsdefizite aufgrund von mangelnder Stimulation aufweisen. Sie kennen keine Spiele wie bei uns, durch die verschiedenste motorische, kreative, intellektuelle und soziale Fähigkeiten gefördert werden. Erschreckend ist es, zu sehen, dass viele Mütter kaum mit ihren Kindern sprechen, und einige Kinder werden gar über viele Stunden alleine gelassen.

Für die Behandlung der Mütter und ihrer Kinder wurden Einrichtungsgegenstände und Spielzeug, sowie ein DVD-Player für Kurse mit den Müttern und Mitarbeitern der Gesundheitsstation angeschafft. Durch eine Auswahl von verschiedenfarbigen Einrichtungsgegenständen und Spielzeug aus verschiedenem Material werden bereits z.B. das Farberleben und der Tastsinn gefördert. Die Wände wurden von den Mitarbeitern selbst gestaltet – erstmalig in einer Gesundheitsstation!

Regelmäßig treffen sich Gruppen von Schwangeren, Müttern mit Neugeborenen und Kleinkindern. Die schwangeren Frauen lernen neben der bei uns üblichen Geburtsvorbereitung durch verschiedene Entspannungsübungen sowie z.B. durch Musik eine Beziehung zu ihrem ungeborenen Kind aufzubauen, es überhaupt wahrzunehmen. Erschütternd ist Maribel Linares Felipes Bericht über die Arbeit: Einige Schwangere brachen während der ersten Sitzung in Tränen aus, weil sie noch nie wahrgenommen hatten, dass ihnen ihr werdendes Kind etwas bedeutet… unter ihnen waren auch Mehrgebärende! Die Menschen in San Antonio haben diese Arbeit so begeistert aufgenommen, dass mehrmals auch Geschwisterkinder mitgekommen sind und mitarbeiten wollten.

Die Behandlung der Kinder erfolgt in Gruppen gemeinsam mit den Müttern, damit diese einen liebevollen Umgang mit ihren Kindern erlernen und ein Gefühl dafür entwickeln, was ihr Kind für eine positive Entwicklung braucht. In den Gruppen der Säuglinge wird z.B. viel mit Massage gearbeitet, da hierbei ein Beziehungsaufbau zwischen Mutter und Kind geübt werden kann. So berichtete Maribel Linares Felipe, dass bereits bei der zweiten Sitzung einige Mütter viel mehr mit ihren Kindern gesprochen und ihnen ihre Liebe vermittelt haben. Außerdem profitieren auch Familien in ihrem Umkreis, die nicht direkt am Projekt teilnehmen können, indem die Teilnehmerinnen das Gelernte weitervermitteln.

Das Projekt in San Antonio erregte bereits die Aufmerksamkeit der peruanischen Medien. Das Gesundheitsministerium konnte vom Sinn der Arbeit so überzeugt werden, dass die Arbeit bereits im ersten Jahr auf andere Gesundheitsstationen in der Region ausgeweitet wurde… nun vom Gesundheitsministerium finanziert! Desierto Florido e.V. hat dabei auch die Einrichtung einer sehr kleinen Gesundheitsstation in dem Dorf Omas in den Anden unterstützt.

Weitere Kampagnen

Darüber hinaus wurden mehrere kleinere Kampagnen unterstützt, z.B. eine Kampagne für gesunde Ernährung auf dem Markt in Mala (der Nachbarstadt von San Antonio) und die Einrichtung eines Sprechzimmers für die Prävention und Behandlung sexuell übertragbarer Krankheiten, v.a. HIV.

Geschichte des Projekts

Projektgebiet

In der Region Cañete südlich der peruanischen Hauptstadt Lima liegen in der Küstenwüste die Orte San Antonio, Mala und Chilca. Das Ortsbild der Orte ist für den von außen Kommenden geprägt von Armut und dem graubraunen Sand der umgebenden Wüste. In den Ortskernen wohnen die Menschen meist in kleinen gemauerten Häusern; in den vorgelagerten Siedlungen leben viele in Hütten aus Holzbrettern, Bastmatten, Wellblech oder Plastikfolie. Diese “Pueblos Jóvenes” (“Junge Dörfer”), wo es zum Teil weder Strom noch Wasser gibt, strecken sich bis in die Wüste hinein. Hier ist die Arbeitslosigkeit sehr groß, und viele Menschen, die eine Arbeit haben, bekommen so geringe Gehälter, dass auch sie ihre Familien nur schwer ernähren können. Die medizinische Situation der Menschen ist einerseits durch die Folgen von Armut und oft problematischen hygienischen Verhältnissen geprägt, andererseits durch das im Winter feuchtkalte Klima. Erschwerend kommt hinzu, dass sich viele gerade der ärmsten Menschen wenig gesundheitsbewusst verhalten. Mangelnde Aufklärung ist ein großes Problem, häusliche Gewalt und ein liebloser Umgang mit den Kindern sind bei vielen Familien an der Tagesordnung.

Die medizinische Versorgung wird von jeweils einer Gesundheitsstation geleistet, die vom peruanischen Gesundheitsministerium (MINSA) eingerichtet und getragen werden. In den Gesundheitsstationen werden die Menschen in Armut und extremer Armut mit dem “Seguro Integral de Salud” (SIS), einer Basisversicherung, weitgehend kostenlos behandelt. Die Verhältnisse sind sehr einfach und für unseren hiesigen Standard unvorstellbar.

Projektidee

Die Partnerschaft entstand im Jahr 2003 in der Folge eines Praktikums, das unser Mitglied Dr. Carola Flurschütz im Rahmen ihres Medizinstudiums in den Gesundheitsstationen in Chilca und San Antonio absolvierte. Mit Spenden, die sie im Rahmen von Diavorträgen über die dortige Situation sammelte, wurde in San Antonio eine erste Kampagne zur kostenlosen Behandlung älterer Menschen, für die es damals noch kein staatlich gefördertes Programm gab, unterstützt. In Chilca konnte durch die Spenden eine psychologische Betreuung der Kinder in dem Kinderheim “Villa Infantil Federico Ozanam” beginnen. Um das Projekt längerfristig weiterführen zu können, nahm Desierto Flordio e.V. das Projekt in sein Programm auf und unterstützt es seit 2005.